Waldbrand 1975

Katastrophen wie große Waldbrände kennt man in Deutschland im Regelfall nur aus südeuropäischen Ländern. Praktisch hört man ebenso oft von Waldbrandkatastrophen in den USA und in Australien, wo Waldbrände im Hochsommer leider schon fast normal sind. Diese Brände sind nicht immer nur Katastrophen, sondern dienen ebenso der Natur, sich zu generieren. Das ist in Deutschland anders, da hier und beinahe überall in Europa die Besiedelung wesentlich dichter ist als auf dem australischen Kontinent und ebenso in den Weiten der Vereinigten Staaten von Amerika. Unsere kleinen Wälder und die Lüneburger Heide sind mit Ortschaften durchsetzt und werden von mehreren Städten begrenzt, die alle in Gefahr kommen, wenn es zu Waldbränden kommen sollte.


Im August 1975 kam es zu einem großen Waldbrand, der auch Moorland- und Heideflächen der Lüneburger Heide und Teile des Wendlandes vernichtete. Dieser Brand war bis dahin die größte Katastrophe von Waldbränden in Deutschland, die sieben Leute das Leben kostete. Die größten Brände reichten von Lüchow-Dannenberg im Osten über Gifhorn bis Celle im Westen. Als Ursache kommt meistens ein heißer und trockener Sommer infrage, wo schnell Brände aufkommen können, die unter anderem durch Sonnenstrahlen auf Glas ihren Anfang nehmen. Natürlich gibt es auch Brandursachen, die von Personen verursacht werden oder durch die Technik entstehen. Beispielsweise können bremsende Züge Funken entwickeln, die dann das trockene ausgedörrte Gras am Bahndamm entzünden. So gibt es mehrere Brandursachen, die unvermeidlich oder vermeidbar sind. Brandursachen, so auch in der Lüneburger Heide, werden nur selten vollständig aufgeklärt, da oft auch Brandstifter am Werke sind.

Das Feuer in der Lüneburger Heide, den Moorflächen und in den Wäldern fand sehr schnell Nahrung, da es zum einen äußerst trocken war und zum anderen viele Zufälle mit ins Spiel kamen. Die Wälder rund um die Heide bestehen zum größten Teil aus Nadelhölzern, die, wie man weis, trocken sehr schnell entflammbar und heiß sowie lange brennen. Zu den Nadelwäldern kam noch viel geschlagenes oder umgestürztes Gehölz dazu, was nach dem Sturm 1972 noch liegen geblieben war. So fand das Feuer nicht nur in den stehenden Bäumen Nahrung, sondern ebenfalls in den liegenden Stämmen, die schon durchweg ausgetrocknet waren. Die trockenen Heideflächen und ausgedörrten Moore überbrückten dann die einzelnen Waldgebiete, sodass es zu einem großen Flächenbrand kam. In der Südheide wurde zuerst ein Flächenbrand entdeckt, der schnell den Elbeseitenkanal übersprang und sich weiter nach Norden und Westen hinzog.

Das Löschen in den Wäldern wurde dadurch noch erschwert, das durch Wälder und ebenso durch die Heideflächen nur schmale und unbefestigte Wege führen, die nur wenig benutzt werden. Löschfahrzeuge kamen oft nur schwer an die Brandstellen und mussten große Umwege fahren. Bei Neudorf-Platendorf kam ein Fahrzeug der Feuerwehr nicht schnell genug aus der Gefahrenzone und wurde von einer Feuerwalze überrollt, wobei zwei Feuerwehrleute Brandverletzungen erlitten. Das Feuer breitete sich aber nicht nur einzeln aus, sondern es bildeten sich neue Brandherde aus, wie im Landkreis Celle und bei Eschede, deren Hintergrund unbekannt ist. Auch nordöstlich von Braunschweig mussten Brände bekämpft werden, die mehrere Orte an der B188 bedrohten. So gab es zahlreiche Brandherde, wobei auch Feuerwehrleute ihr Leben lassen mussten, die unter schwerem Einsatz das Leben anderer retteten.