Schneekatastrophe 1978

Etliche werden sich noch an die extremen Wetterverhältnisse in den Dezembertagen des Jahres 1978 erinnern. Tauwetter brachte die Schneedecke von mehr als 10 cm im Bereich weniger Tage zum Schmelzen. Frühjahrswetter mit Temperaturen von 12 Grad hielt Einzug und ließ den frühen Wintereinbruch schleunigst in Vergessenheit geraten. Allerdings bildete sich in den letzten Tagen des Jahres 1978 eine breite Schneefront über Norddeutschland, der Winter kam in Windeseile und stürmischer als je vorher zurück.


Wie dieses Extremwetter zustande kam

Am 28. Dezember 1978 bei einer Tagestemperatur von + 2 Grad fielen aus einem verhangenen Regenhimmel einzelne harmlose Schneeflocken. Bis jetzt ahnte kein Mensch was sich da in nächster Zeit zusammenbrauen würde. Während in Flensburg in den Nachmittagsstunden fortlaufend dichteres Schneegestöber einsetzte, fiel zur selben Zeit im ca. 100 Kilometer entfernten Kiel noch starker Regen bei + 10 Grad.

In Schleswig-Holstein fiel bis zum Abend die Temperatur unter den Gefrierpunkt, bei starkem Schneefall entwickelte sich ein stürmischer Nordostwind der im Laufe der Nacht zu einem eisigen Wind wurde. Während dieser Turbulenzen fielen aus den nur nach und nach abziehenden milderen Luftschichten noch längere Zeit über Regentropfen, die in der heranwehenden Frostluft gefroren. Während dieses Regens gefror das Wasser innerhalb Sekunden zu “Blitzeis” und verwandelte sämtliche Straßen und Gehwege in spiegelglatte Oberflächen. Diese extremen Wetterverhältnisse legten auch den gesamten Schienenverkehr lahm.

Zur selben Zeit wurde auch Mecklenburg-Vorpommern von diesen Eisluftmassen erfasst, auch hier brach der gesamte Verkehr innerhalb kürzester Zeit zusammen. Erst als die Temperaturen auf –6 Grad fielen, wurde aus dem Eisregen Schnee. Wegen dem stürmischen Wind wurde der fallende Schnee unmittelbar verweht, mit dem Ergebnis dass sich die Verwehungen bis zu einem Meter gut hochtürmten.

Während in dieser Zeitdiesem Zeitraum im Süden Deutschlands milde Temperaturen von + 12 Grad vorherrschten, bescherte der Schneesturm dem Norden Temperaturen von – 10 Grad. Durch diese krassen Temperaturunterschiede verschärfte sich das Chaos an der Wetterfront von Stunde zu Stunde.

Durch die meterhohen Schneeverwehungen mussten sogar Panzer der Bundeswehr eingesetzt werden, um Hilfe zu leisten und evtl. liegengebliebene Fahrzeuge erreichen zu können. Zahlreiche Orte und Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten, Strom war in zahlreichen Haushalten nicht im Mindesten mehr vorhanden. Nur in 3 Tagen waren weite Teile Norddeutschlands zum Katastrophengebiet geworden. In Kiel und Lübeck herrscht zudem noch Hochwasser. Es gab zahlreiche Opfer bei dieser nicht alltäglichen Katastrophe. Obwohl Technisches Hilfswerk, Bundeswehr, Rotes Kreuz und zahlreiche andere Hilfsdienste rund um die Uhr im Einsatz waren, konnten viele Personen nicht rechtzeitig erreicht werden. Viele Opfer erfroren in den Schneemassen oder im eisigen Sturm. Zahlreiche Tote wurden erst nach der Schneeschmelze gefunden. Erst zum Jahreswechsel 1978/79, als die Eisfront nach Süddeutschland abzog, begann sich die kritische Lage langsam zu entspannen.

Bis die Menschen wieder zur Normalität zurück fanden und das Verkehrssystem wieder funktionierte vergingen zahlreiche Tage.

Hier einige Anmerkungen von Betroffenen dieser Zeit

Dagmar Jänichen aus Luzenau verbrachte das Weihnachtsfest 1978 mit ihrer Familie in Binz:
Wir waren alle zum Schneeschippen eingeteilt, es war gewissermaßen sinnlos, da es die freien Stellen immer wieder zuwehte. Tag für Tag schaufelten wir Schnee, bis es Anfang Januar hieß, die Schienen wären frei. Wir konnten unsere Heimreise antreten.

Ralf Hommel machte unmittelbar seine Alarmbereitschaft. Spät in der Nacht am Neujahrstag musste unsere Kompanie zum Schneeeinsatz ausrücken. Es war ein kräfteraubender Einsatz. Wir waren in einer Turnhalle einquartiert und mussten 10 Tage lang, von früh bis abends Schienen frei legen. Stellenweise war alles so zugeweht, dass nur noch die Enden der Leitungsmasten zu sehen waren.