Niedersachsenorkan

Am 13. November 1972 dachten zweifelsohne viele Personen in Niedersachsen und in den östlichen Randgebieten, wie auch in Holland und Belgien, so was haben wir noch keinesfalls erlebt. Das Orkantief mit Namen Quimburga zog von der Elbemündung nach Süden über Hamburg hinweg und weiter ostwärts, wobei es den östlichen Teil Niedersachsens mit großer Zerstörungskraft traf. Das Orkantief reichte von Celle bis in den Harz und im Osten von Sachsen-Anhalt bis Brandenburg und Berlin. Ringsum wurden enorme Schäden verzeichnet, was sich nicht nur auf Gebäude bezog, sondern ebenfalls auf große Waldbestände. Die Windgeschwindigkeiten im Flachland betrugen 120-150 km/h und in der Spitze bis zu gemessenen 167 km/h. Das Sturmtief erreichte den Oberharz zwar knapp, aber trotzdem gab es genau gemessene Windgeschwindigkeiten, die bis zu 245 km/h schnell waren.


Der November 1972 verzeichnete eine Wetterlage, die schon in ihrer Entwicklung kritisch war. Im Nordatlantik baute sich ein sogenanntes Viererdruckfeld auf, das heißt, zwei Hochdruckgebiete zogen von Kanada bis zu den Azoren, nördlich Schottlands stand ein Orkantief und das vierte Druckfeld, ebenfalls ein Tief lag südlich Neufundlands. Dieses Tiefdruckgebiet zog nach Osten, womit es durch die unterschiedlichen Temperaturen aller Druckfelder zum Orkan mutierte. Die Temperaturunterschiede waren teils von –25 Grad über Grönland bis zu +10 Grad bei den Azoren. Wenn solche Luftmassen aufeinandertreffen, ist die Entstehung eines Orkans vorprogrammiert. Einfach ausgedrückt, die kalte Luft aus dem Norden traf auf die warme Luft aus dem Süden, woraus dann Orkane geboren werden. Schon in England verursachte das stark gewordene Sturmtief, das zum Orkan geworden war, größere Schäden.

Die Schäden an den Wäldern in Niedersachsen beliefen sich auf circa 10 Prozent des Baumbestandes, welches beinahe 16 Millionen Kubikmeter Holz bedeutete. An diesem einen Tag wurde das Fünffache des normalen Holzeinschlages im Jahr vernichtet, was circa 1 Million DM bedeutet. Europaweit kamen mehr als 70 Menschen ums Leben, wobei allein die Verletzten auf fast 500 im Großraum Berlin verzeichnet wurden. Die Toten in Niedersachsen wurden mit 21 Personen angegeben, in Hamburg wurden 150 Menschen verwundet. Viele wichtige Verkehrsverbindungen waren auf Stunden und manchmal auf Tage unterbrochen. Viele Gebäude wurden auf dem Weg des Orkans schwer beschädigt, wobei geborstene Fensterscheiben das geringere Übel waren. Extreme Schäden waren unter anderem in Oldenburg zu verzeichnen, wo der Kirchturm der St. Peter Kirche einstürzte. Verschiedene solcher spektakulären Schäden wurden auch aus Berlin gemeldet. Selbst Schiffe sind auf der Unterelbe gesunken, wobei 4 Seeleute ihr Leben lassen mussten.

Faktisch zog man aus den Schäden, vor allem in der Forstwirtschaft, Konsequenzen, infolgedessen das Aufforsten von Monokulturen überdacht wurde. Der Orkan hat vor allem die Wälder schlimm getroffen, die nur aus Kiefern bestanden. Mischwälder haben den Sturm vergleichsweise überstanden. Die Holzpreise fielen nach unten, da das geschädigte Holz nur noch zur Produktion von Spanplatten taugte.