Wölfe in der Heide

Wölfe in der Lüneburger Heide


Wölfe, diese geheimnisvollen und faszinierenden Tiere, haben sich in den letzten Jahren auch in Deutschland wieder eine Heimat gesucht. Nach neustem Stand leben in Deutschland 18 Rudel, außerdem sind rund 8 Wölfe als Einzelgänger unterwegs und wurden 4 Wolfspaare gezählt. In der Lüneburger Heide konnten sogar Welpen entdeckt werden, welche mit tapsenden Schritten ihrer Mutter folgten. Solche Beobachtungen lassen natürlich die Herzen der Tierschützer höher schlagen.
Doch leider hat der Wolf bis heute mit Vorurteilen zu kämpfen.

So wurde in alten Fabeln dem Isegrim ein gieriger, räuberischer und rücksichtloser Charakter angedichtet. Und wer kennt aus Kindheitstagen nicht Rotkäppchen und den bösen Wolf …
Als angebliche Gefahr für den Menschen und mutmaßliche Viehdiebe wurden in Deutschland die Wölfe vor allem im 19. Jahrhundert gnadenlos gejagt. Das hatte zur Folge, dass in Niedersachsen 1872 das letzte Tier erlegt wurde und die Wölfe in Deutschland als ausgestorben galten. Nun kehren sie jedoch aus Polen kommend in ihre alte Heimat zurück und sind heute bei uns willkommen. Die großen, weiten Wälder der Lüneburger Heide und die insgesamt dünn besiedelte Region bieten ihm das ideale Zuhause.

Wölfe stellen keine Gefahr für den Menschen dar. Die scheuen Tiere ernähren sich vor allem von Wildtieren und jagen nur selten Nutztiere, da sie den Kontakt zu Menschen im Allgemeinen meiden. Es ist äußerst selten, dass sie sich aus ihrem Territorium heraus auf Futtersuche begeben und Tiere auf einer Weide reißen, wie es beispielsweise 2012 in Munster passierte. Ein Elektrozaun kann eine Herde leicht vor hungrigen Wölfen schützen, sodass ein Nebeneinander von Wild- und Haustieren relativ problemlos möglich ist.

Sicher, wer nachts einen Wolf heulen hört, wird dies als schaurig oder Furcht einflößend empfinden. Wölfe kennen verschiedene Arten von Lautäußerungen, wie winseln, knurren oder schreien. Am eindrücklichsten wird jedoch das Heulen empfunden. Mit diesem halten sie ihr Rudel zusammen, markieren Ihr Revier und kommunizieren auch über große Distanzen miteinander. Lediglich das Knurren ist als Drohung zu verstehen. Jedoch wird ein Mensch kaum in die Situation kommen, dieses zu vernehmen, da der Wolf den Menschen scheut und bei dessen Auftauchen flink das Weite sucht.

Das Zusammenleben innerhalb der Wolfsrudel ist von einem ausgeprägten Sozialverhalten im Familienverband gekennzeichnet. Im vergangenen Jahr wurden die ersten in Deutschland frei geborenen Welpen seit 150 Jahren entdeckt. Wolfs-Experten und Freunde dieser eindrücklichen Tiere hoffen nun, dass nicht alle Welpen Niedersachsen verlassen werden, sondern der eine oder andere die Lüneburger Heide zu seinem Lebensraum machen wird.

Wer sich näher mit den Wölfen befassen und mehr über diese Tiere lernen möchte, dem sind in der Lüneburger Heide spezielle Wanderrouten empfohlen, welche den Fährten und der Geschichte der Wölfe folgen. Drei unterschiedlich anspruchsvolle und gut ausgeschilderte Strecken beginnen am „Schwarzen Gehege“, einem Wanderparkplatz, welcher an der L280 liegt.

Bleibt zu hoffen, dass der Mythos vom bösen Wolf bald aus den Köpfen und Kinderbüchern verschwindet und er seinen zurückgewonnenen Platz in der heimischen Tierwelt ungefährdet behalten kann. Neben anderen deutschen Gebieten gibt ihm die Lüneburger Heide den perfekten Lebensraum. Er zählt weiterhin zu den bedrohten Tierarten in Deutschland. Glücklicherweise wurde er deshalb 1989 per Gesetz unter Schutz gestellt.