Brachvogel

Der Große Brachvogel


Der Große Brachvogel (Numenius arquata) ist der größte Watvogel Mitteleuropas. Obwohl sich sein Verbreitungsgebiet von Island bis zu den Alpen erstreckt, gehört er mit ca. 3000 Brutpaaren in Deutschland zu den stark vom Aussterben bedrohten Vogelarten. Die Ursache hierfür liegt vor allem darin, dass der Große Brachvogel zur Brut weit überschaubare Feuchtflächen benötigt, die mit der Intensivierung der Landwirtschaft und der Entwässerung von Mooren in zunehmendem Maß verloren gehen. Zwar gibt es auch Restpopulationen, die es geschafft haben, sich an intensiv agrarisch genutzte Flächen anzupassen, doch die Reproduktionserfolge sind gering.

In Niedersachsen sind derzeit ca. 1700 Brutpaare des Großen Brachvogels heimisch. Einen nicht unerheblichen Teil davon beherbergt die Lüneburger Heide mit ihren weiten Heideflächen und Mooren, darunter das größte zusammenhängende Moorgebiet, das Pietzmoor bei Schneverdingen im Süden des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide. Noch bis in die 50er Jahre wurde im Pietzmoor im kleineren Maßstab Torf abgebaut. Der industrielle Abbau wurde in den 60er Jahren als unrentabel aufgegeben. Seit den 70er Jahren fanden Renaturierungsmaßnahmen wie Wiedervernässungen statt. Damit zählt das weitgehend intakte Moor zu den idealen Lebensräumen für Brachvögel und andere seltene Vogelarten.

Verschiedene Naturschutzorganisation, darunter der Nabu, die Umweltstiftung Niedersachsen und die Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide, bemühen sich heute um die Pflege von Feuchtwiesen und den Schutz des Brachvogels in verschiedenen Zonen der Lüneburger Heide. Pflegemaßnahmen wie extensive Beweidung oder Plaggen sind notwendig, um Brutflächen für den Großen Brachvogel und andere bedrohte Wildvögel zu erhalten. Besonders der ortstreue Brachvogel ist auf die beständige Pflege seiner Brutflächen angewiesen, da er sein Revier lebenslang nicht aufgibt. Erfreulicherweise beteiligen sich inzwischen auch in zunehmendem Maße Landwirte an den Schutzmaßnahmen. So werden bei Entdeckung eines Geleges in bewirtschaftetem Bereich Teile der Fläche abgezäunt, um das Gelege zu schützen.

Trotz großer Bemühungen zum Schutz der seltenen Art betrachten Umweltforscher künftige Bestandsentwicklungen kritisch. Auf Basis von Klimamodellen wurde errechnet, dass rund 40% der Flächen, die in Mitteleuropa heute noch als Brutgebiete für den Brachvogel in Frage kommen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts verschwunden sein werden. Eine Verschiebung des Verbreitungsgebiets nach Norden wird erwartet. Ob der reviertreue und langlebige Brachvogel mit dem rasanten Klimawandel Schritt halten kann, bleibt fraglich. Zu erwarten ist jedoch, dass in den gut betreuten Flächen der Lüneburger Heide die besten Chancen gegeben sind, stabile Populationen zu erhalten.