Walsrode

Walsrode

Die Stadt Walsrode befindet sich im Bundesland Niedersachsen (Deutschland). 23.870 Bürger befinden sich auf 270,7 km², was einer Bevölkerungsdichte von 88 Einwohner pro km² bedeutet.

Walsrode besteht aus 23 Stadtteilen:
Altenboitzen
Benzen
Bockhorn
Düshorn
Ebbingen
Fulde
Groß Eilstorf
Hamwiede
Hollige
Honerdingen
Hünzingen
Idsingen
Kirchboitzen
Klein Eilstorf
Krelingen
Nordkampen
Schneeheide
Sieverdingen
Stellichte
Südkampen
Vethem
Westenholz

Zur Vergangenheit

Walsrode wurden schon im Mittelalter, etwa im Jahr 986, die ersten Aufzeichnungen getätigt. Durch die Gründung des Klosters Walsrode durch den damaligen Grafen Walo fand die Stadt ihre erste urkundliche Erwähnung bereits am 7. Mai 986. Im Jahr 1381 wurde Walsrode von den Bremern angreifen und die Stadt völlig zerstört. Man spricht davon, dass Walsrode total in Asche gelegt wurde, was den dramatischen Zustand ausmalen sollte. Das Stadtwappen wurde erstmals urkundlich im Jahr 1479 erwähnt.

Die zweite Zerstörung, welche die Stadt erleben musste, fand während des 30-jährigen Krieges im Jahr 1626 statt. Durch Tillysche Truppen wurde die Ortschaft abermals nach dem Sturm der Bremer zerstört. Im Jahr 1757 folgte die nächste Katastrophe, als von 237 Häusern 230 durch einen Brand zerstört wurden. Dieser war jedoch kein Anschlag auf die Stadt, sondern eine von der Natur ausgelöste Zerstörung. Im Jahr 1890 wurde Walsrode an das hiesige Eisenbahnnetz verbunden. Somit konnte der Anschluss der Bahnstrecke Bremervörde nach Walsrode stattfinden.

Seit dem Jahr 1957 befindet sich auch das Aus- wie Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Walsrode. Des Weiteren befindet sich in der Stadt der Standort des Bundesgrenzschutzes. Ebenfalls gilt Walsrode als staatlich anerkannter Erholungsort seit dem Jahr 1973. 1974 wurden zudem noch weitere 22 Gemeinden in Walsrode eingegliedert, bis 1984 die Landesregierung Niedersachsens Walsrode den Status der “selbständigen Gemeinde” verlieh.

Walsrode wurde aber auch in der Gegenwart nicht von Naturkatastrophen verschont. Im Jahr 2004 wurde ein Erdbeben der Stärke 4,5 gemessen; am 4. März 2006 wurde in Walsrode der erste Fall von der damaligen Vogelgrippe entdeckt.
Im Jahr 2011 sollte eine Zusammenlegung Walsrodes mit Fallingbostel stattfinden. Doch die Bürger stimmten dagegen, sodass die Fusion letztendlich für gescheitert erklärt wurde

Folgende Sehenswürdigkeiten befinden sich in Walsrode:

Das Hermann Löns Denkmal, welches mit dem Grab des Dichters ausgestattet ist. Im Übrigen der Weltvogelpark, welcher als größter Vogelpark der Welt gilt. Das urkundlich erwähnte Kloster, welches auch der Grund war, wieso Walsrode bereits 986 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Freilichtmuseum Rischmannshof zählt auch zu den Top-Sehenswürdigkeiten in der Stadt.

Vorgeschichtliche Zeit und frühes Mittelalter

Die Landschaft der Lüneburger Heide war schon in der Jungsteinzeit bewohnt. Auf der Markung von Walsrode, und zwar in der Nähe des Teilortes Krelingen, existiert eine archäologische Fundstelle, die davon Zeugnis ablegt: Die “Steinkammer von Krelingen”, eine jungsteinzeitliche Grabstätte, stammt aus der Zeit um 3.800 bis 3.500 v.Chr.! Im 8. nachchristlichen Jahrhundert beherrschten die Sachsen die Gegend, im 9. Jahrhundert wurde die Gegend Teil des Frankenreichs. Die Franken waren Christen, und so kamen auch die Bewohner der Lüneburger Heide erstmals mit dem Christentum in Berührung. Bald wurden die ersten Klöster gegründet …

Entscheidend für Walsrode: die Klostergründung

Die Stadt Walsrode entstand aus einem Kloster. Vor 986 gründeten ein Graf Walo (oder “Wale”) und seine Ehefrau Gräfin Odelinth das Kloster Walsrode als Kanonissenstift. Die erste urkundliche Nennung des Klosters Walsrode fällt auf den 7. Mai 986. 1255 wurde es in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt. Wie es im Mittelalter üblich war, entstand um das Kloster umher nach und nach eine Bauernsiedlung – die bürgerliche Gemeinde Walsrode nahm so ihren Auftakt. Kloster und Ortschaft gehörten zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

Vom Mittelalter bis zur Neuorientierung

Einige der Teilorte des heutigen Walsrode sind auch schon im Mittelalter entstanden. Kirchboizen wurde beispielsweise bereits 1203 erstmals urkundlich erwähnt, Fulde 1224, Düshorn 1227, Bockhorn 1237, Nordkampen und Südkampen 1255. Honerdingen ist 1269 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden. Die Kirche “St. Georg” von Honerdingen, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde, ist heutzutage noch vorhanden! 1383 verlieh der Herzog von Braunschweig-Lüneburg Walsrode die Stadtrechte. 1482 wurde das Kloster Walsrode durch einen Großbrand (entstanden durch Blitzschlag) weitgehend vernichtet. Es wurde wieder aufgebaut. Um 1480 wurde in Walsrode Hans Brüggemann geboren. Er machte sich später als Künstler einen Namen. Sein berühmtestes Werk, der “Bordesholmer Altar”, der heute im Schleswiger Dom zu sehen ist, besteht aus zahlreichen künstlerisch geschnitzten Holzfiguren. Im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (und damit auch in Walsrode) hielt die Neuorientierung sehr früh Einzug. Bereits um 1525 bekannte sich der damalige Herzog Ernst I. zum evangelischen Glauben. Ernst erhielt später den Beinamen “Der Bekenner”, weil er das protestantische Augsburger Bekenntnis von 1530 mit unterzeichnete. Das Kloster Walsrode verwandelte sich im Zuge der Reformation in ein evangelisches Damenstift. Die Bewohnerinnen (“Stiftsdamen”) waren keine Nonnen, daher auch nicht verpflichtet, ihr Leben lang ehelos zu bleiben; sie konnten das Stift auch ständig wieder verlassen. Sie waren dort gut versorgt und betätigten sich im sozialen Bereich, beispielsweise in der Krankenpflege. Das evangelische Damenstift besteht heute noch!

Dreißigjähriger Krieg und Stadtbrand

In der Kernstadt Walsrode sind heute nur wenige alte Bauwerke zu finden. Wer historische Gebäude aus der Zeit vor 1700 sehen möchte, muss sich in den Teilorten umschauen. Im Teilort Stellichte findet sich zum Beispiel ein Gutshaus von 1703/04; der dazu gehörende Fachwerkspeicher stammt aus dem 17. Jahrhundert, und die barocke Kirche “St. Georg-Christophorus-Jodokus” in Stellichte ist sogar noch älter: Sie wurde 1608 erbaut! Walsrode selbst wurde 1624 – im Dreißigjährigen Krieg – durch die Truppen des Generals Tilly schwer angeschlagen. Am 12.12.1747 beschädigte ein Wintergewitter sehr viele Häuser der Stadt. Die schlimmste Katastrophe kam dann am 6. Juli 1757. An diesem Tag brach ein verheerender Stadtbrand aus, dem 226 Häuser zum Opfer fielen, auch das Rathaus und die Klostergebäude. So kommt es, dass das Stadtbild und das Kloster heute von Gebäuden aus der Mitte des 18. Jahrhundert geprägt sind. 1758 erstellten die Einwohner von Walsrode ein neues Rathaus. Das Gebäude ist heute in Privateigentum. Das heutige Rathaus von Walsrode stammt von 1904.

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts endete die Regentschaft von Braunschweig-Lüneburg (bis 1705 Herzogtum, von 1697 bis 1814 Kurfürstentum). Ab dem Wiener Kongress 1814 gehörte die Region zum Königreich Hannover; dieses wurde 1866 von Preußen annektiert. Ab 1866 war Walsrode also eine preußische Stadt! Walsrode war nach wie vor ländlich beeinflusst. Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts wirkte sich im Umfeld der Lüneburger Heide kaum aus. Eine Ausnahme war die nordwestlichen Nachbargemeinde von Walsrode, Bomlitz. In der großen chemischen Fabrik Wolff & Co. in Bomlitz fanden auch Bürger von Walsrode Arbeit. Die kleinen Städte und Gemeinden der Lüneburger Heide wurden im Lauf des 19. Jahrhunderts für den Fremdenverkehr attraktiv. Künstler und Schriftsteller entdeckten die romantische Landschaft für sich und machten die Lüneburger Heide namhaft. Hermann Löns (1866 – 1914), der einen großen Teil seines schriftstellerischen Werkes der Lüneburger Heide widmete, kam ab 1893 oft nach Walsrode in Urlaub. Daher nennt sich Walsrode noch heute “Hermann-Löns-Stadt”. Der Tourismus ist ein wichtiger Erwerbszweig für Walsrode geblieben.