Schneverdingen

Schneverdingen


Allgemeines und Geschichte

Die Ortschaft Schneverdingen ist eine niedersächsische Kleinstadt mit knapp 19.000 Einwohnern im Landkreis Soltau-Fallingbostel. Gegründet wurde das damalige Dorf im 13. Jahrhundert und wurde im Jahr 1231 beurkundet, allerdings damals noch unter dem Namen “Snewordinge”. Die größte Wichtigkeit hatte schon in der damaligen Zeit die Landwirtschaft und die Tierzucht. Auch wenn die Landwirtschaft hinsichtlich der trockenen Sandböden kaum Erträge brachte, was auch der Grund dafür war, dass sich die Bevölkerungsdichte bis ins frühe 20. Jahrhundert in sehr beschränkten Grenzen hielt, veränderte vor allem die Viehhaltung mit Schafen wie zum Beispiel der Heidschnucke die Region zu dem was sie heute ist. Denn durch die Bewirtung entstand ein Teil der Lüneburger Heide so wie man ihn heute vorfinden kann, denn durch trockene Böden und die Bodenbearbeitung wurde der wuchs des Heidekrautes gefördert. Die Heidelandschaft zieht auch heute noch aufgrund seiner vielfälltigen Vegetation zahlreiche Touristen an und aus dem Heidekraut wird auch heute noch der sogenannte Heidehonig gewonnen. Auch das Handwerk erlangte in Schneverdingen immer größere Wichtigkeit wie zum Beispiel das Lederhandwerk, also die Schuhproduktion. Im Jahr 1896 war eine große Innovation die Einführung der Heidebahn in der Region. Dies ist eine regionale Eisenbahn, die unter anderem Hamburg und Hannover mit einander verbindet. Zu eher negativem Ruhm gelangte dieses Fortbewegungsmittel fraglos in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, denn mit Hilfe der Heidebahn wurden Menschen in die Konzentrationslager gebracht. Ein großes Bevölkerungswachstum setzte allerdings erst in den 1950?er Jahren ein, soweit bis die Stadt im Jahr 1976 das Stadtrecht erhielt. Heutzutage bietet die Stadt der Bevölkerung über 4.000 Arbeitsplätze in Dienstleistungsunternehmen, Handwerk, im Einzelhandel oder in der Industrie. Der wichtigste Wirtschaftszweig ist jedoch seit Jahren der Fremdenverkehr in der Region, jährlich werden tausende Touristen von der schönen Umgebung angezogen.

Kultur

Die Region um Schneverdingen in der Lüneburger Heide wird durch eine ganz besondere Kultur ausgezeichnet. Besonders wichtig ist der Bevölkerung nämlich ihre ursprüngliche Sprache, das Plattdeutsch. Wer also auf dem Weg in die Gegend ist sollte sich beim Ortsschild nicht wundern, dass hierauf auch der Name “Snevem” vermerkt ist. Um die Kultur zu wahren und auch bei der jungen Bevölkerung in der Region wieder etwas populärer zu machen wurden nämlich bis ins Jahr 2009 alle Ortschilder in der Gemeinde ersetzt um die Zweisprachigkeit zu fördern. In Kindergärten und Schulen der Gemeinde wird das Plattdeutsch schon im frühen Alter an die Kinder herangeführt. Zur den kulturellen Belangen in der Gegend gehört natürlich auch die Religion, die Bewohner, die eine Konfession besitzen sind vorrangig der evangelischen Kirche angehörig, natürlich wohnen aber auch Moslems, Zeugen Jehovas und Buddhisten in der Ortschaft, die ihre Religion auch in gegebenen Gotteshäusern ausleben können. Aber auch Bräuche haben in der Gegend eine ganz besondere Wichtigkeit. Die Region hält gern und in Regelmäßigkeit an Festivitäten wie dem jährlichen Osterfeuer oder dem Pfingstbaumpflanzen mit dem Pfingstwagenumzug fest. Seit dem Jahr 1985 findet in der Gemeinde auch das “Höpen Air” statt, dabei handelt es sich um ein Musikfestival überwiegend für Rockmusik. Das Festival lockte in den vergangenen Jahren oftmals mehrere Tausend Besucher an. vor allem weil in vielen Jahren kein Eintrittspreis fällig wurde. Aber trotzdem wurde durch Sponsorengelder oftmals ein hochkarätiges Line-Up garantiert. Zu anderen kulturellen Höhepunkten gehören auch die zahlreichen Kirchen in der Stadt, die Stadtbücherei, einige Museum wie zum Beispiel das Heimatmuseum “De Theeshof”, einige Galerien oder auch das Freizeitbad der Stadt, welches zum Verweilen einlädt genauso wie der sehenswerte Stadtbrunnen des Bildhauers Frijo Müller-Belecke.

Heideblütenfest

Eins der größten kulturellen Höhepunkte der Region ist das Heideblütenfest. Dies ist eine Festivität mit zahlreichen Veranstaltungen, die sich über vier Tage im Jahr, meist Ende August, erstreckt. Das Fest ist gespickt von Open-Air-Veranstaltungen, Auftritten von Tanzgruppen aus der Region, Festspielen und einem Volkslauf. Der Glanzpunkt ist allerdings die Krönung der Heidekönigin und der vorherige Festumzug über fast 4 km auf einem Weg von der Innenstadt bishin zum Festgelände, wo das alljährliche “Höpen Air” stattfindet. Geschmückte Festwagen werden begleitet von Fanfarenzügen und Orchestern und von Hunderten Menschen auf ihrem Weg begleitet. Auch Lampionumzüge und große Feuerwerke gehören jährlich mit zur Veranstaltung. Genauso wie plattdeutsche Gottesdienste in den Kirchen der Ortschaft genauso wie das Frühshoppen. Die Krönung der Heidekönigin nimmt jedes Jahr die Königin des Vorjahres vor, indem sie ihrer Nachfolgerin, die Krone aus Heidekraut überreicht. Die Aufgaben der Heidekönigin sind nach der Krönung die kulturellen Besonderheiten der Lüneburger Heide auf Reisen durch ganz Deutschand allgemein bekannt zu machen, oder auf Messen oder bei besonderen Ereignissen Termine für den Ort wahrzunehmen und die kulturellen Besonderheiten der Stadt auch vor öffentlichem Publikum zu repräsentieren.

Geschichte der Stadt Schneverdingen

Die Geschichte der Stadt Schneverdingen reicht bis in das Hochmittelalter zurück. Schon im Jahr 1231 wurde die damalige Vogtei zum ersten Mal urkundlich erwähnt, allerdings unter dem Namen „Snewordinge“. Aus der Urkunde geht hervor, dass der Bischof Iso von Verden den Ministerialen Lippold von Zahrenhusen dazu zwang, auf die Vogtei zu verzichten. Bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts war in der Ortschaft die Adelssippe von Schneverdingen ansässig, die dann jedoch nach Lüneburg verzog.

Schneverdingen war stets beeinflusst von Viehwirtschaft; vor allem die Heidschnucken werden hier seit langer Zeit gehalten und sind untrennbar mit der Geschichte der Ortschaft verbunden. Auch im Mittelalter und den folgenden Jahrhunderten war die Viehhaltung prägend für die kleine Gemeinde. Dies ist auf die überwiegend von eiszeitlichen Einflüssen geprägte Heidelandschaft um Schneverdingen zurückzuführen. Wegen der schwierigen landwirtschaftlichen Bedingungen war Schneverdingen über Jahrhunderte eher dünn besiedelt.

Eine Kirche gab es in Schneverdingen bereits im Mittelalter, wovon das bis jetzt erhaltene Bronzetaufbecken aus dem 14. Jahrhundert zeugt. Auch die Umorientierung im 15. Jahrhundert ging nicht spurlos an Schneverdingen vorüber: Im Jahr 1746 wurde wegen Baufälligkeit der alten Kirche die neue evangelisch-lutherische Kirche Peter und Paul errichtet. Bis heute zeugen die mächtigen Feldsteinmauern des Sakralbaus von der Geschichte Schneverdingens.

Erst im 19. Jahrhundert kam es zu grundlegenden Veränderungen in Schneverdingen: Durch die Einführung des Mineraldüngers konnten die Erlöse der Landwirtschaft in und um Schneverdingen deutlich gesteigert werden, sodass die Ortschaft starkes wirtschaftliches Wachstum verzeichnen konnte. Es ließen sich immer mehr Handwerker in Schneverdingen nieder und der Ort entwickelte sich vor allem zu einem Zentrum der Lederverarbeitung für die Schuhherstellung. Mehr als 300 Schuhmacher waren zur Hochkonjunktur der Lederverarbeitung in Schneverdingen ansässig. Auch die zunehmende Industrialisierung hinterließ ihre Spuren in der Ortschaft und aus einigen Handwerksbetrieben entwickelten sich moderne Schuhfabriken, die wiederum neue Arbeitsplätze schufen.

So änderte sich der Charakter von Schneverdingen im 19. Jahrhundert und es entwickelte sich eine moderne Ortschaft. In diese Periode fällt auch die Umgestaltung der Kirche Peter und Paul und im Jahr 1866 wird der neue massive Glockenturm mit Uhr eingeweiht. Nachdem ein Brand im Jahr 1907 ihn zerstört hatte, wird schon 1908 ein neuer Glockenturm errichtet. Auch in Bezug auf die Bildung entwickelt sich Schneverdingen um die Jahrhundertwende fort, denn 1897 wird erstmals eine Volksschule errichtet. Sie ist noch gegenwärtig als „Alte Schule“ erhalten. Im Jahr 1912 erfolget die Eröffnung einer Höheren Privatschule für Jungen und Mädchen. Der Aufschwung von Schneverdingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts steht auch in engem Zusammenhang mit dem Ausbau der Heidebahn, denn diese gewährleistete die Anbindung Schneverdingens an das nördlich gelegene Hamburg und das südlich gelegene Hannover. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Schneverdingen auch einen Flugplatz, den der Yachtkonstrukteur Max Oertz für seine Testflüge nutzte und der noch heutzutage als Segelfluggelände dient.