Mordfall Frederike

Mordfall nach 34 Jahren aufgeklärt, doch mutmaßlicher Täter bleibt auf freiem Fuß


Im Fall der ermordeten Frederike von Möhlmann liegen neue Erkenntnisse vor: DNA-Spuren an der Leiche des Mädchens erhärten den Verdacht auf den damals dringend Tatverdächtigen Ismet H.; strafrechtlich belangt werden kann dieser für die Tat dennoch nicht.

Am 4. November 1981 verlässt die damals 17-jährige Frederike von Möhlmann gegen 19:30 Uhr die Chorprobe in der Stadtkantorei Celle. Um diese Zeit fahren keine Busse mehr, deshalb möchte sie per Anhalter in ihren Heimatort Hambühren fahren. Dort kommt sie jedoch nie an. Das Mädchen wird vergewaltigt und mit elf Messerstichen zugerichtet; anschließend schneidet der Täter ihr die Kehle durch. Nach vier Tagen finden Spaziergänger Frederikes Leiche in einem Waldstück in der Nähe ihres Heimatortes.
Im Zuge ihrer Ermittlungen findet die Polizei schnell einen dringenden Verdächtigen: Ismet H. Er hat für die Tatzeit kein Alibi, außerdem wurden Fasern aus seinem Auto an der Leiche des Mädchens sichergestellt. Ein Gutachter bestätigt, dass die Reifenspuren am Tatort von dem BMW 1620 des Verdächtigen stammen.

Für das Landgericht Lüneburg ist die Sachlage eindeutig. Das Gericht verurteilt Ismet H. am 1. Juli 1982 zu einer lebenslangen Haftstrafe. Doch die Verteidigung legt Berufung ein. Am 25. Januar 1983 wird das Urteil vom Bundesgerichtshof aufgehoben. 1983 nimmt das Landgericht Stade das Verfahren erneut auf. Das Urteil dieses Mal: Freispruch. Der zuständige Reifensachverständige sieht keine Übereinstimmungen der Reifenspuren mit Ismet H.s Fahrzeug. Demzufolge könne die Schuld des Täters nicht zweifelsfrei bewiesen werden. Frederikes Vater, Hans von Möhlmann, der damals ohne anwaltlichen Beistand auftritt, glaubt dem Gericht und verzichtet auf Revision. Somit ist das Urteil rechtskräftig.

Der Mord an seiner Tochter lässt Hans von Möhlmann nicht los. 2012 wendet er sich an den niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann. Die Ermittlungen werden wiederaufgenommen; Möhlmann erhofft sich neue Erkenntnisse aufgrund der in der Zwischenzeit deutlich verbesserten technischen Untersuchungsmethoden. Und tatsächlich: An der Unterwäsche des Mädchens können zweifelsfrei DNA-Spuren des damaligen Verdächtigen, Ismet H., festgestellt werden.

Diese belastenden Indizien kommen jedoch zu spät. Nach deutschem Recht kann ein Verdächtiger nicht noch einmal für eine Sache angeklagt werden, für die er bereits freigesprochen wurde. Auch wenn Ismet H. mit hoher Wahrscheinlichkeit der Mörder des Mädchens ist, gilt er juristisch als unschuldig.

Hans von Möhlmann hat nun gemeinsam mit seinem Anwalt Wolfram Schädler Zivilklage eingereicht. Die Aussichten auf Erfolg stehen allerdings schlecht, da der rechtliche Anspruch auf Schadensersatzforderungen nach 30 Jahren verjährt. Hans von Möhlmann hofft dennoch darauf, den Täter zu einem Umdenken zu bewegen. Die Klage sei ein Appell an das Gewissen von Ismet H. Stellt sich Ismet H. und gibt ein Geständnis ab, könnte das Verfahren neu aufgenommen werden.
Es ist allerdings fraglich, ob der mutmaßliche Täter so vorgehen wird. Warum sollte er eine Tat gestehen, für die das Gericht ihn nachweislich freigesprochen hat? Beruft sich der Tatverdächtige jedoch darauf, dass die Klage zu spät eingereicht und daher bereits verjährt sei, haben Möhlmann und sein Anwalt keine weiteren Möglichkeiten.

Auch wenn Mord nicht verjährt, enden zivilrechtliche Ansprüche nach 30 Jahren. Aufgrund des Prinzips der Rechtssicherheit kann ein bereits freigesprochener Verdächtiger nicht noch einmal für dieselbe Sache belangt werden. Zu einer möglichen Überarbeitung dieses Gesetzes äußerte das Bundesjustizministerium, dass keine Änderungen in dem Wiederaufnahmerecht geplant seien.

Hans von Möhlmann gibt dennoch nicht auf; er hofft weiterhin auf Gerechtigkeit für seine Tochter.