Celler Loch

Celler Loch

Die Nacht zum 25. Juli des Jahres 1978, gehört zu dunkelsten Momenten der Stadt Celle.
Tief in der Nacht, wurde durch die Explosion einer Bombe, die Mauer der örtlichen Justizvollzugsanstalt beschädigt.
Sigurd Debus, ein mutmaßlicher Terrorist der RAF, war zu diesem Zeitpunkt einer der Insassen. In den Medien wurde der Bombenanschlag als ein möglicher Befreiungsversuch Debus` dargestellt. Angebliche Beweise, wie gefälschte Pässe, ausgestellt auf Debus und sichergestelltes Ausbruchswerkzeug aus Debus‘ Zelle, wurden der Öffentlichkeit präsentiert.
Schnell sollte das Bild skiziert werden, dass Debus‘ Komplizen ihn in einer spektakulären Aktion, aus dem Gefängnis holen wollten.

So weit so falsch.

Jahre später wurde die Aktion dem niedersächsischen Verfassungsschutz zugeordnet. Es wurden massenhaft Beweise fingiert oder gefälscht. Die Nachrichtenagenturen wurden gezielt mit falschen Interviews und Pressekonferenzen hinters Licht geführt, um die Bevölkerung zu täuschen.
Die False Flag Aktion lief unter dem Namen Feuerzauber und löste eine bundesweite Affäre aus. Mit dem Befreiungsversuch, wollte der niedersächsische Verfassungsschutz ursprünglich, einen verdeckten Informanten in die RAF einschleusen. Der niedersächsische Verfassungsschutz informierte im Jahr 1978 neben der Anstaltsleitung auch den Bundesgrenzschutz. Die Landespolizei, das Bundesministerium, sowie das Bundesamt für Verfassungsschutz wurden nicht informiert.

Aktion Feuerzauber
Im Vorfeld der Explosion, begann der Verfassungsschutz damit, die später zu präsentierenden Beweise, zu präparieren. Gefälschte Pässe von Debus wurden neben Munition, in einem Fluchtfahrzeug verstaut. Die Pässe stammten aus Einbrüchen und waren mit echten Dienstsiegeln versehen. Der Wagen stammte aus einer Sicherstellung während einer Polizeikontrolle.
Den Bombenanschlag sollten die beiden Vorbestraften Loudil und Berger durchführen. Der Verfassungsschutz hatte die beiden Männer speziell ausgesucht und angeworben.
Loudil war im Nachhinein einer von vielen Tatverdächtigen, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden.
Im Gefängnis selbst, ließ die Behörde, diverse Ausbruchswerkzeuge in den Haftraum von Debus schmuggeln. Außerdem wurde ein Schreiben von RAF Mitglied Dellwo aktiviert, welches die Verantwortung für den Anschlag, der RAF zuschiebt.
Die Explosion selbst, war unterm Strich, nur mehr Schein als sein. Nur geringer Sachschaden wurden an den Gemäuern angerichtet. An eine Flucht war nicht zu denken.

Nachwirkungen von Aktion Feuerzauber
Wie im Vorfeld geplant, konnten nie die Täter gefasst und verurteilt werden.
Für Debus waren die Folgen dramatisch. Auf Grundlage der gefälschten Vorwürfe wurde er deutlich strengeren Haftbedingungen ausgesetzt. Debus begab sich daraufhin in einen Hungerstreik. Stetig gestellte Anträge auf Hafterleichterung wurden Jahr für Jahr, mit Verweis auf den Bombenanschlag, abgelehnt.
Nach einer Verlegung nach Hamburg, verstarb Debus im Jahr 1981 an den Folgen eines weiteren Hungerstreiks.

Fünf Jahre nach Debus‘ Tod kam die gesamte Wahrheit ans Licht.
Journalist Ulrich Neufert berichtete in der Hannoverschen Zeitung damals ausführlich über die Vorfälle und wurde für sein Engagement ausgezeichnet.
Ernst Albrecht, als Führer der damaligen Landesregierung und Mitwisser über Anschlag und Motive, musste sich mit seiner Regierung, vor dem Untersuchungsausschuss des Landtages in Niedersachsen verantworten.
Vor dem Ausschuss setzte die Regierung ihre Lügenmärchen fort. Angebliche Erfolge der Aktion wurden direkt widerlegt und die von Albrecht geforderte Achtung für die Aktion, drehte immer mehr in eine Ächtung.
Abschließend bleibt zu bemerken, dass die Regierung eine Straftat geplant und umgesetzt hat. Die Ziele waren von vorn herein eher zweifelhaft und weckten den Eindruck, dass nur persönlicher Profit erzielt werden sollte.
Am Ende starb ein Mensch.