KZ Bergen Belsen

Dokumentationszentrum KZ Bergen-Belsen


In der Epoche des Gedenkens spielt die Erinnerung an die Verbrechen der nationalsozialistischen Zeit eine große Rolle. Zu solchen Gedenkstätten gehört auch Bergen-Belsen. Das ist ein Gedenkort, der eine internationale Bedeutung hat. Am 28. Oktober 2007 wurde das Dokumentationszentrum eröffnet, welches die Geschichte über die Lager erzählt.

Das Dokumentationszentrum führt die ganze Arbeit sorgfältig, mit Einfühlung und großer Professionalität. Hier sieht man ein klares Konzept. Es entstand ein einfacher, minimalistischer Bau, der aus Glas und Beton bestand. Dieser passt sehr gut zu der Topographie des Geländes und er versucht auch nicht, das Fehlen der baulichen Überreste durch Effekte im Vordergrund zu vertuschen. Besonders nachdenklich wird der Besucher gestimmt, wenn er die Grabungsfunde auf dem Lagergelände betrachtet. In diesen Minuten stellt er sich ganz deutlich als Häftling vor, er kehrt unwillkürlich in die ferne Zeit zurück.

Viele Dokumente sowie Objekte und auch die Überlebenden erzählen die grausame Geschichte.
Es wird immer alles chronologisch in drei Teilen dargestellt. Zuerst erfährt der Besucher über die Geschichte des Lagers für Kriegsgefangene der Wehrmacht in den Jahren 1939–1945, zum Thema werden eben die russischen Kriegsgefangenen. Danach konzentriert man sich schon auf dem größten Teil der Ausstellung – dem Konzentrationslager Bergen-Belsen im Zeitraum 1943–1945. Der letzte Teil beschäftigt sich mit der Geschichte des Lagers Displaced Persons Camp (1945–1950).

Der zweigeschossige Raum ist nicht besonders groß, er verfügt über 25 Quadratmeter Grundfläche, hier präsentiert man die Interviews mit den Überlebenden. Diese Personen erinnern sich gern zuerst an das Leben vor der Entrechtung und Verfolgung und später wandern ihre Gedanken zum Holocaust. Im „Filmturm“ beginnt der zweite Ausstellungsteil mit historischem Filmmaterial. Der Besucher sieht nun Leichenberge und ausgezehrte menschliche Gestalten. Vor der Filmdemonstration wird auf die Intensität der Bilder hingewiesen, denn es besteht die Gefahr, emotional überwältigt zu werden. Diese Art der Darstellung verbindet die anonymen Opfer im „Filmturm“ mit den Überlebenden. Die ganze Raumgestaltung unterstreicht, dass im Mittelpunkt die Ermordeten sowie die Überlebenden stehen. Die Ausstellung wird von den Geschichten letzterer geprägt, 90 Interviews kann man sich auf den zwei Ebenen anschauen. Zwölf übergreifende Biographien sowie andere Interviewsequenzen werden in den Medienstationen gezeigt.

Das nationalsozialistische Verbrechen ist in der Ausstellung nicht als abstrakter Prozess dargestellt, man verfolgt ein reales Geschehen mit einzelnen Personen. Sehr wichtig ist dabei folgender Faktor: Die Ausstellungsmacher zeigen nicht nur einzelne Personen als Opfer, sondern auch die Täter sowie Zuschauer. Der Interessent darf an den Vertiefungsstationen biographische Angaben zu den Tätern erfahren, er hat die Möglichkeit, sich darüber in den Archivmaterialien ausführlicher zu informieren. Sehr beeindruckt ist jeder von den Interviewsequenzen mit früheren Anwohnern des Lagers. Man versucht, sich an ihrer Stelle zu fühlen. Wie hätte man selbst in diesem grausamen Lager gehandelt?

Es kommen immer neue Dokumente in die Sammlung der Ausstellung. Die russischen Archive wurden geöffnet, früher waren ihre Dokumente nicht zugänglich. Nun sieht man die Gefängniskartei Kriegsgefangener, auch persönliche Gegenstände der Soldaten: Koffer, Tagebücher, Fotografien, Spielzeug, Handwerksarbeiten. In einer Vitrine liegt ein Paar Handschuhe, welche das Kind Yvonne Koch im Lager von einer völlig unbekannten Frau als Geschenk bekam.

Die Dokumente sowie Fotografien sind Beweismittel, dienen zur Illustration, aber man kennzeichnet diese auch als Quellen.

Die Herausforderung sieht jeder darin, dass die Grenzen der Nachvollziehbarkeit, des Verstehens erhalten werden. Das Fehlen der baulichen Überreste des Lagers kann man deswegen als eine Chance sehen und nicht als Defizit.